tipps > Heft 011

Nicolas Durand: Eine Idee allein genügt nicht, um ein Start-up zu gründen

Ein Treffen mit Nicolas Durand, Gründer von Abionic

Ein berühmter französischer Journalist hatte einmal gesagt, ein Unternehmen zu führen bedeute immer, die bestehende Ordnung in gewissem Masse auf den Kopf zu stellen. Nicolas Durand bringt diese Ordnung mit einem Lächeln durcheinander. Als 2009 seine Doktorandenzeit an der ETH Lausanne dem Ende zu ging, entschied er, ein Start-up aufzubauen. In Zusammenarbeit mit Iwan Märki gründete er Abionic, ein Unternehmen im biomedizinischen Sektor. Das Konzept? Die traditionelle Allergietests auf der Haut sollen durch eine einfache Blutentnahme ersetzt werden. Der Markt dafür ist riesig - das Potential auch. Zwei Jahre später geht es der Start-up-Firma des 29 -jährigen Lausanners wunderbar, und sie beschäftigt mittlerweile vier Personen. Die ersten Tests an Patienten werden dieses Jahr durchgeführt, was dem Produkt den Weg zur Markteinführung im nächsten Jahr ebnen soll.

Nicolas Durand, woher kam die Idee für Abionic?
Sie ist mir nicht von einem Tag auf den anderen eingefallen. Eine Idee allein genügt nicht, um ein Start-up zu gründen. Das Projekt muss über einen längeren Zeitraum heranreifen. Bevor ich in das Unternehmertum eingestiegen bin, habe ich den Semesterkurs "Venture Challenge" besucht, wo ich gelernt habe, worum es sich bei einem Start-up handelt. Einen solchen Kurs würde ich allen Studierenden empfehlen, um keinen Reinfall zu erleiden. Wenn mann dann Lust darauf hat, ein Unternehmen zu gründen, kommt die Idee früher oder später von selbst.

Für mich war es so, dass ich meine Dissertation in Nanotechnologie in die Tat konkret umsetzen wollte. Ich hatte Lust, ein Team um mich zu haben und ein Projekt zu starten. Dann, an einem Tag im Jahr 2009, hat es bei mir Klick gemacht und so war Abionic geboren.

Wie verlief die Lancierung des Projekts?
Wir haben in der Schweiz das Glück, bei der Gründung einer Firma sehr viele Hilfsmittel zu Verfügung zu haben. Insbesondere fi nden zahlreiche Wettbewerbe statt. Abionic hat mehrere gewonnen, was uns die Möglichkeit gab, Geld aufzubringen und in der Öffentlichkeit anerkannt zu werden. Ich habe zudem alle meine Ersparnisse in das Projekt gesteckt. Zu Beginn zögern die Investoren. Sie erwarten, dass man zuerst seinen Geldbeutel und diejenigen seines Umfelds ausnutzt, bevor sie sich verpfl ichten. Abgesehen davon wird man aber von verschiedene Stiftungen und Förderinitiativen, wie das Programm Venture Kick, dazu ermutigt, seine Firma auf die Beine zu stellen.

Andererseits ist es wichtig, sehr früh einen Kontakt mit potentiellen Kunden herzustellen, denn sie werden schliesslich das Endprodukt verwenden. Ohne diese Zusammenarbeit besteht die Gefahr, mit einem Projekt auf den Markt zu kommen, das sicherlich interessant ist, dessen Ausführung aber nicht den Erwartungen entspricht.

Was waren die grössten Hindernisse, die es zu bewältigen galt?
Ein Projekt verläuft nie perfekt. Man muss sich durchkämpfen, um weiterzukommen. Obwohl Abionic heute auf gutem Wege ist, gibt es immer noch Hochs und Tiefs. Vor allem kann sich die Suche nach Investoren als mühsam erweisen.

Ausserdem wird es oft als Handicap angesehen, wenn man noch jung ist. Meines Erachtens zu Unrecht, denn Jugend steht für Dynamik. Dennoch kann ein Mangel an Erfahrung zu Fehlern führen. Um diese zu vermeiden, ist es wichtig, ein erfahrenes Team zu haben. Eine gute Zusammenarbeit ist ebenso wichtig.

Welche Ratschläge würden Sie Studierenden geben, die ein Start-up gründen möchten?
Mein erster Ratschlag wäre, einen Kurs wie "Venture Challenge" zu besuchen, um sich darüber bewusst zu sein, was ein Unternehmen zu gründen überhaupt bedeutet. Zweitens ist es wichtig, sich für andere Start-ups zu interessieren und sich mit ihren Gründern zu unterhalten. Bei dem Austausch mit Anderen kann man am meisten lernen.

Ausserdem muss man sich vergewissern, dass das persönliche Umfeld in Ordnung ist, bevor man sich in ein solches Abenteuer stürzt. Den Studierenden sind die Auswirkungen, die so ein Unternehmen auf das Privatleben hat, nicht immer klar. Es handelt sich um einen grossen Einsatz. Wenn es im Umfeld eine Blockade gibt, bedeutet das oft auch eine Blockade für das Projekt. Dessen muss man sich bewusst sein.

Schliesslich sollte man über einen gewissen Realismus und eine unerschütterliche Motivation verfügen. Rückschläge müssen ständig eingesteckt werden. Man sollte nicht auf diejenigen Leute hören, die den Misserfolg voraussagen, sondern ihnen das Gegenteil beweisen. Kurz gesagt : Auf gehts !

 
 
powered by [kesako]