
Der erste Kontakt mit dem potentiellen Arbeitgeber ist von entscheidender Bedeutung, wenige Minuten reichen ihm, um sich einen ersten Eindruck des Kandidaten zu schaffen. Ein Eindruck, der - durch einen augenblicklichen und un - bewussten Mechanismus entstehend - sich aus einer beschränkten, hauptsächlich von der Körpersprache abgeleiteten Anzahl Codes herauskristallisiert. Tatsächlich zeigen auch die 1967 von Albert Mehrabian, einem Forscher der Kalifornischen Universität (UCLA), geführten Studien, dass die verbale Kommunikation (7%) das Urteil der Gesprächspartners weit weniger beeinflusst als die Ausdrucksformen (38%) und vor allem die Erscheinung (55%). Um das Gewicht der Erscheinung beim Bewerbungsprozess zu entschlüsseln, hat students-careers.ch die 5 wichtigs- ten Einflussfaktoren der nonverbalen Kommunikation herausgesucht.

Bei einem Vorstellungsgespräch hat die Bekleidung eine ausschlaggebende Bedeutung. Eine klassische, nüchterne und gepflegte Kleiderwahl gehört eigentlich zur Norm. Die Dress- codes variieren dann in den verschie- denen Branchen. Wenn sich der Anzug oder das Kostüm im Bankenuniversum durchsetzt, ist er in einem kreativ be- tonten Umfeld nicht unbedingt ange- bracht. Es versteht sich, dass sich das durch den Kandidaten vermittelte Bild auf seiner treffenden Wahl von Farbe, Stoff und Kleiderschnitt beruht.
Dieses subtile Gleichgewicht hebt ebenfalls nicht zu vernachlässigende Hygienekriterien hervor; wichtig ist, dass die Kleider sauber und gebügelt und Körper- oder Zigarettengerüche überdeckt sind. Das Parfum sollte allerdings sehr spärlich aufgetragen werden, wobei zu aggressive oder aufdringliche Düfte verboten sind.
Massvoll und mit Geschmack beteiligen sich Make-Up, Schmuck oder Modeaccessoires ebenfalls an der Aufwertung des vermittelten Bildes.
Schliesslich, aber nicht minder wichtig: dieser Weg wäre steril, wenn es alleine darum ginge, seine Erscheinung den Unternehmensnormen und der Arbeits- umgebung anzupassen. Um ein har-monierendes und konsistentes Bild zuvermitteln, sollte dieses auch seinemeigenen Selbst treu sein und den persönlichen Stil verkörpern.
Das Material, das der Kandidat für das Vorstellungsgespräch mitnimmt, gibt dem Werber eine gewisse Anzahl Informationen. Es ist ein wesentlicher Aspekt der Körpersprache und vermittelt verschiedene Persönlichkeitsaspekte.
Mit leeren Händen aufzutauchen macht schon einen recht dilettantischen Eindruck, wenn nicht ein Zeichen von Respektlosigkeit. Der Kugelschreiber und der Notizblock sind in dieser Hinsicht das absolute Minimum. Was macht ein Kandidat, der nicht einmal im Sinn hatte, sich Notizen zu machen, denn schon für einen Eindruck? Ein anderes unumgängliches Element: die Agenda. Unfähig zu sein, seine Verfügbarkeit für ein weiteres Gespräch anzugeben, wäre wohl etwas vom Ungeschicktesten.
Im Rahmen eines formellen Bewerbungsverfahrens könnten sich diesen Sachen noch ein CV, ein Foto, die Stellenausschreibung, der Briefverkehr, eine Liste mit Fragen, eine Uhr, die AHVKarte, der Führerschein, die Identitätskarte, und, falls angebracht, gewisse Werke für Bewerbungen in künstlerischen Fachrichtungen.
Ausser der Gesprächspartner würde es verlangen, ist es unnötig, alles auf dem Tisch zu verteilen und seine Intimsphäre zu bedrängen. Es ist auch unnötig, sich jedes Wort aufzuschreiben, das er sagt, was völlig ablenken und die effiziente Interaktion stören würde. Andere zu meidende Fehler: Auffällig geschmücktes Schreibmaterial, zerknittertes Dossier, ein unangebrachtes Foto. Auch wenn sich der Kugelschreiber als nützlich erweisen könnte, die Hände beschäftigt zu halten und den Stress zu unterdrücken, ihn nervös zu bewegen oder an ihm zu nagen kann einen gegenteiligen Effekt haben. Das gleiche gilt, wenn der Kandidat beginnt, Blätter zu falten oder am Notizblock zu knüllen. So viele Zeichen, die ein mangelndes Selbstbewusstsein verraten...
Um also über die adäquate Ausrüstung zu verfügen braucht es einige Überlegungsarbeit. Bei der richtigen Zusammenstellung bezeugt sie den Organisationssinn, die Motivation undAuffassungsgabe des Kandidaten..
Diverse Verhaltensstudien (I. Eibl-Ei-bensfeldt, M.A. Descamps, usw.) beschreiben dieses Ritual. Wenn auch alltäglich, gibt uns der Händedruck zahlreiche Indizien über die Persönlichkeit der Protagonisten und nimmt eine grossen Stellenwert im Rahmen von professionellen Austauschen ein.
So enthüllt ein amorpher oder schwacher Händedruck tendenziell einen ausgelöschten Charakter, zu viel Schüchternheit oder sogar einen Mangel an Offenheit. Bei der Bewerbung könnte das der Arbeitgeber als mangelnde berufliche Gewissenhaftigkeit und mangelnden Verantwortungssinn verstehen. Auf der andern Seite signalisiert zu viel Intensität im Händedruck eine potentiell autoritäre, dominante oder arrogante Persönlichkeit und stellt stürmische Berufsbeziehungen in Aussicht. Ein aufrichtiger und beherrschter Händedruck hat also die besten Chancen, einen positiven Einfluss auf den ersten Eindruck zu bewirken.
Die Dauer ist auch eine Informationsquelle, die das auf den Gesprächspartner übertragene Urteil nährt. Ein flüchtiger Händedruck zeugt von Misstrauen; dauert er zu lange, kann er als mitleidend oder freundschaftlich verstanden werden, was im Falle des Vorstellungsgespräches nicht zu empfehlen ist. Der ideale Händedruck sollte nicht länger als einige Sekunden dauern, einen Eindruck von Dynamik und Geistesgegenwart erwecken.
Zuletzt hat auch die Art den Raum zu füllen einen wesentlichen Einfluss auf den Eindruck, den sich der Arbeitgeber macht. Ein zu gestreckter und steifer Arm schiebt das Gegenüber aus dem intimen Kreis heraus und wird potentiell als defensive Haltung übersetzt. Umgekehrt gibt zu viel Nähe eine unangebrachte Vertraulichkeit, Besitzgier oder auch Kleinlichkeit zu verstehen. Die richtige Dosis erreicht man mit einem 90 Grad gewinkelten Arm, während sich die Hand in der Verlängerung des Ebengenannten befindet. Letzter Tipp auf den Weg: diese kodierte Übung, wahrhaftig ein Balancierakt, muss unbedingt von einem Blickkontakt und einem Lächeln begleitet werden, um seine ganze Wirkung zu entfalten.
Aus der Sicht der Spitzfindigsten spiegelt der Körper jede Unebenheit der Seele. Vom ersten Blickkontakt an vermittelt die Gestik einen kontinuierlichen Fluss an nonverbalen Signalen, die der Gesprächspartner mechanisch entschlüsselt. Wenn sich die Mehrheit der Kandidaten einer beängstigenden Situation wie einem Vorstellungsgespräch gegenüber sehen, werden sie meist von einem furchterregenden Adrenalinanstieg begleitet. Der Herzrhythmus beschleunigt sich, die Muskeln spannen sich an, die Stimme erstickt, der ganze Körper verrät sich in seinem Nervositätszustand. Man muss sich an diesen gesprächigen Körper gewöhnen und versuchen, so gut es geht, die Parasitengestik, die unser übermitteltes Bild verändert, zu eliminieren.
Die Art sich zu bewegen ist an sich schon ein Charakteristikum der Gefühle, die den Kandidaten zum Zeitpunkt der Vorstellung beschäftigen. Die Haltung und das Tempo sind in der Tat ein genügender Nährboden für Interpretationen. Schematisch gesprochen können hängende Schultern, ein runder Rücken und ein gesenkter Kopf als Zeichen von Verzicht oder Verletzlichkeit gedeutet werden. Ein nach hinten gedrückter Brustkorb vermittelt eher den Eindruck, dass sich der Kandidat unwohl fühlt. Nach vorne ziehende Schultern und Kopf verraten auf der andern Seite übermässiges Selbstvertrauen oder gar Spuren von Arroganz. Spezialisten empfehlen eine in der Gegenwart verankerte Haltung - gerader Rücken, nicht zu steif, Kopf gerade - um einen gelas- senen und kompetenten Eindruck zu übermitteln.
Wenn sich der Kandidat dann einmal auf den dem Arbeitgeber gegenüberliegenden Stuhl gesetzt hat, gibt es noch eine Unzahl an Verhaltensweisen, die seinen Gemütszustand preisgeben könnten. Wenn er sich auf dem Stuhlrand hält, lässt er eine komplexreiche Persönlichkeit durchschimmern und vermittelt den Eindruck, gleich verschwinden zu wollen; wenn er sich zu stark in die Rückenlehne stützt, gibt er hingegen einen Eindruck von Rückzug und mangelnder Gesprächsbeteiligung ab; hochgezogene Schultern zeugen ihrerseits von einem Mangel an Verantwortungsbewusstsein. Um Selbstbewusstsein und Offenheit auszustrahlen muss der Kandidat Kopf und Rücken gerade halten, seinen Oberkörper leicht anspannen, ohne zu zögern ihn nach vorne zu bringen, um sich in der Gesprächsrunde klar abzuzeichnen.
An diesem Punkt spricht auch das ?Beinspiel" seine eigene Sprache. Wenn diese dauernd in Bewegung sind, kann das den Gesprächspartner auf die Nervosität oder die Gereiztheit des Kandidaten aufmerksam machen; gekreuzte Beine verraten eine negative oder defensive Einstellung; die unter dem Stuhl zurückgezogenen, auf den Spitzen aufgesetzten Füsse vermitteln ein Minderwertigkeitsgefühl. Es ist also von Vorteil, seine Beine ungekreuzt mit beiden Füssen am Boden zu halten.
Schliesslich verkörpern Arme und Beine gewichtige nonverbale Kommunikationsvektoren. Verschränkte Arme oder in den Taschen versteckte Hände erwecken den Eindruck von mangelndem Interesse oder defensiver Einstellung; Geschlossene Fäuste verraten eine Anspannung und mangelndes Selbstbewusstsein. Um einen offenen und lockeren Eindruck zu erwecken, empfiehlt es sich, die Arme auf die Knie, die Armlehnen oder den Tisch zu stellen und das Gespräch mit einigen Handbewegungen zu unterstreichen. Dies erlaubt es, gewisse Aussagen zu betonen und bringt einen Hauch Enthusiasmus ein. Trotzdem sollte der Kandidat aufpassen, nicht zu theatralisch zu werden. Im Falle von nervösem Zittern helfen Kugelschreiber oder Visitenkarten parasitäre Gestik zu unterdrücken.
Als wahres Spiegelbild von Gemütszuständen verkörpert der Blick auch einen gewichtigen Einflussfaktor. Wer seine zahlreichen Codes beherrscht, kann nicht nur Zeichen der Unschlüssigkeit verschleiern, sondern auch die Aufmerksamkeit der Gesprächspartners fangen, einen starken Eindruck hinterlassen und im seinen Willen einprägen. Deshalb muss der Blick vom ersten Händedruck an vorhanden sein und sich durch das ganze Gespräch erstrecken.
Ein flüchtiger Blick kann starke Schüchternheit oder einen Mangel an Ehrlichkeit bezeugen, was beim Gegenüber Misstrauen wecken wird; ist dieser dauernd auf den Boden gerichtet vermittelt er einen Eindruck von Passivität oder Unterwürfigkeit; an die Decke gerichtet hat er etwas Nachdenkliches oder leicht Gedankenversunkenes.
Um dem Arbeitgeber seine Aufmerksamkeit zu bezeugen und aktiv am Gespräch teilzunehmen, muss der Kandidat den Blickkontakt suchen. Das heisst nicht, dass man das Gegenüber ohne Unterbruch anstarrenmuss, was verärgern könnte. Um es ihm also nicht unwohl zu machen, muss man das richtige Mass an subtilen Blickwechseln finden. Es geht darum, die verbale Nachricht im richtigen Rhythmus mit dem Blickkontakt zu unterstreichen. Wenn beim Gespräch mehrere Personen anwesend sind, muss der Kandidat die ganze Assistenz mit dem Blick erwischen. Wenn sich der Blick in die Augen als unerträglich erweist, besteht die Alternative darin, dem Gegenüber zwischen die Brauen zu schauen.
Kleidervorschriften, Gestik, Haltung und Blickspiele machen also eine grosse körperliche Grammatik aus, in welcher bereits das kleinste Verziehen einer Braue oder eine Lippenbewegung einen Sinn ergeben können. Jede dieser Modalitäten kann den Sinn der Worte unterstützen oder auch verwerfen. Auch wenn deren Beherrschung die Vermittlung eines harmonischen und zusammenhängenden Bildes unterstützen kann, wird man auch unter einem zusätzlichen Stressfaktor zu leiden haben, wenn man ihr zu viel Beachtung schenkt, was die Qualität der sonstigen Leistung beeinträchtigen kann. Noch ein letzter, jedoch nicht minder wichtiger Punkt: der Kandidat soll lächeln und zeigen, dass er sich freut, hier zu sein, da sonst die Chemie nicht stimmen wird...
