
An ihrer Ausbildung kritisieren Studierende vorwiegend einen punkt: die fehlende Verankerung in der berufswelt. Meist erlauben es die umfassenden theoretischen Kenntnisse, welche Studierende sich während des Studiums aneignen, weder die Realität der berufswelt zu erfassen, noch sich auf die Integration in diese vorzubereiten. Aufgrund des Mangels an praktischen Erfahrungen wird der Übergang in die berufswelt für viele Studierende zur grossen Herausforderung, vor der sie sich ohne jeglichen Rückhalt wieder finden. Plötzlich werden ihre oberfl ächlichen Vorstellungen von der Arbeitswelt sowie ihre idealistischen Erwartungen mit der Realität des berufslebens konfrontiert.
Diese Diskrepanz zwischen den Vorstellungen der Studierenden und der Arbeitswelt zeigt sich vor allem in der unterschiedlichen bewertung des Diploms. Für junge Absolventen, bedeutet das Diplom die Krönung der akademischen Laufbahn. Es ist der beweis für ihr potential, die bestätigung für ihre Kompetenzen und die Garantie für einen gewissen Status in der Arbeitswelt. Dieser Zustand der Zu-friedenheit bezüglich der erbrachten Leistung ist jedoch fl üchtig und kann schnell einer gewissen Ernüchterung weichen. Denn, auch wenn frisch Diplomierte ihren Titel als eine Garantie ansehen, eine Stelle zu erhalten, so sind die Arbeitgeber diesbezüglich nicht gleicher Ansicht. Obschon das Diplom ein wichtiges Kriterium für die Vorauswahl darstellt, reicht es nicht aus, um die Leistungsfähigkeit des Kandidaten zu erfassen. Das Diplom ist aus ihrer Sicht zwar ein beleg, dass sich der bewerber leicht theoretisches Wissen aneignen kann, es sagt jedoch nichts darüber aus, ob sich der bewerber in einer konkreten berufl ichen Situation weiterentwickeln kann.
Sind praktika und andere ausseruniversitäre Aktivitäten unabdingbar für den Einstieg in die Arbeitswelt? Diese Erfahrungen sind für die Studenten oft gleichbedeutend mit einer empirischen Einführung. Sie sind der erste Kontakt mit der praxis und bieten die Möglichkeit einer Verbindung von Ausbildung und beruf. Trotzdem reicht auch dies nicht immer aus, um den Status zu erlangen, den Studierende sich für den Einstieg in die Arbeitswelt wünschen. Es gibt tatsächlich keinen beweis dafür, dass Arbeitgeber den praktika einen (so) hohen Stellenwert zusprechen. Dies auch deshalb, weil die Einbindung der praktikanten sowohl in die fachlichen Tätigkeiten als auch in den Kundenkontakt relativ oberfl ächlich sind. Diese Einsätze schmücken zwar die bewerbung, werden jedoch nicht unbedingt als berufserfahrung im wahrsten Sinne des Wortes gewertet.
Die Kluft zwischen dem bild des jungen Diplomierten und der Realität der berufstätigkeit kann im Falle einer Einstellung besonders deutlich zum Vorschein kommen. Die idealisierte Vorstellung des berufes wird nun mit den zahlreichen Verpfl ichtungen und Zwängen des berufslebens konfrontiert. plötzlich gilt es, sich in einer hierarchischen Struktur durchzusetzen und sich in einer unternehmensstruktur zurechtzufi nden, welche einen grossen Einfl uss auf die zwischenmenschlichen beziehungen und die Organisation hat. Der persönliche Einsatz muss, im Vergleich zu dem, bei vorangegangenen praktika, klar erhöht werden. Autonomie und Anpassungsfähigkeit werden zu Schlüsselwörtern und die eigenen Freiheiten müssen zwischenzeitlich in den Hintergrund gerückt werden. Viele berufseinsteiger fühlen sich während dieser phase des Eintritts ins berufsleben stark unter Druck gesetzt,vor allem auch weil sie eine probezeit bestehen müssen.
Die Übergangsphase zwischen Studium und erster Stelle kann folglich den Verlust von Illusionen mit sich bringen. Studierende müssen sich von ihren zum Teil veralteten Vorstellungen vom Arbeitsmarkt lösen : Ein Diplom ist nicht das Mass aller Dinge, praktika sind keine Garantie für eine sofortige Anerkennung auf dem Arbeitsmarkt und der Einstieg in die Arbeitswelt kann von verschiedenen Schwierigkeiten begleitet sein. Das Wissen und die Erfahrungen, welche sich junge Diplomierte in dieser manchmal entmutigenden Übergangsphase aneignen, hilft ihnen jedoch, langsam ihren Vorstellungen näher zu rücken.