
Viele Studierende suchen während des Studiums oder in den Ferien kleine Nebenjobs. Sei es, um das karge Monatsbudget aufzustocken oder um für ein grösseres projekt zu sparen. Auch frischgebackene Diplomierte bieten ihre Kompetenzen verschiedenen Firmen an. Schliesslich wollen sie nicht ihr Leben lang denselben Job ausführen, sondern vielseitig tätig sein.
Dies ist bei einem Temporärjob möglich, der in der Schweiz momentan auf dem Vormarsch ist : Nach Swissstaffi ng, dem Temporärstellenverband der Schweiz, stiegen die zahlen der Temporärstellen in den letzten Jahren pro Jahr um 10%. Aber wie genau funktioniert das ? Wo soll man sich melden ? Und welche Rechte hat ein temporärer Mitarbeiter?
Ein Arbeitnehmer gilt dann als temporär Angestellter, wenn er bei einer dafür spezialisierten Agentur unter Vertrag steht und diese ihn auch auf eine "Mission" schickt, d.h. dass ein zeitlich begrenzter Arbeitsvertrag besteht. Die Aufgaben deiner Agentur sind, dich an den neuen Arbeitsplatz zu schicken, die administrativen Aufgaben zu erledigen und dir deinen Lohn auszuzahlen. bezüglich der Arbeitszeiten und der Ferientage bist du hingegen an die Firma gebunden.
Man muss sich bewusst sein, dass nicht alle Temporärfirmen etwas taugen. In der Schweiz steht temporäre Arbeit unter öffentlicher Kontrolle: Um den Verkauf von Dienstleistungen durchführen zu können, müssen die Temporärfi rmen eine betriebserlaubnis vom kantonalen Arbeitsbüro besitzen. bevor man also einen Vertrag mit einer Agentur eingeht, sollte man nach der bewilligung fragen und in Erfahrung bringen, wie seriös und nach welchen Kriterien die Agentur ihre Kandidaten auswählt (Tests, Einsicht von Diplomen etc.).
Einige gesellschaften sind in einem bestimmten bereich spezialisiert, zum beispiel in der Informatik oder der Medizin. Es existieren gleichsam Aktienfonds, zum beispiel Fastt (Fonds d'action sociale du travail temporaire). Dieser Verband wird von den Temporärstellen fi nanziert und bietet den temporär Angestellten Service und Leistungen an, um ihnen den zugang zu Unterkunft, Arbeit und Kredit zu begünstigen und das alltägliche Leben zu erleichtern.
Der Vertrag zwischen der Temporärfirma und dem Kundenunternehmen (namentlich : Vertrag zur bereitstellung) muss die folgenden punkte enthalten: Den grund für das zurückgreifen auf einen temporären Mitarbeiter, das ziel des Einsatzes (oder seine Dauer), die beschreibung des Arbeitsplatzes (Angabe für den Fall, dass sich diese Arbeit auf der Liste der risikoreichen Arbeiten befi ndet), die gefragte Arbeitsqualifikation, den Ort des Einsatzes, die Arbeitszeiten, die individuelle Art des gebrauchs der Schutzutensilien (gegebenenfalls sind diese von der Temporärfi rma zur Verfügung gestellt), den betrag, den ein Lohnempfänger nach der Qualifikationsphase im Kundenunternehmen bei gleichwertiger Qualifikation und gleicher Arbeit erhalten würde (Angaben bzgl. verschiedener bestandteile, inklusive prämien und zusatzleistungen, falls vorhanden) und schliesslich den Namen und die Adresse der Organisation, welche der Temporärfi rma eine finanzielle Garantie ausstellt.
Temporärfi rmen haben viele Vorteile: Freiheit, Flexibilität und Vielfältigkeit der angebotenen Arbeiten. Dass die Temporärstelle, oft als "zwischenlösung" gehandelt wird, ist ein nicht zu verleugnender Trumpf in der heutigen, durch die globalisierung geprägten, zeit : Der Vertrag auf temporärer basis erlaubt es den Arbeitnehmern, viele verschiedene Fähigkeiten zu entwickeln.
Die Nachteile sind jedoch nicht weniger zahlreich : Auch wenn die Arbeitnehmer vom ersten Tag an gegen Invalidität versichert sind, ist die Altersvorsorge bei Verträgen für weniger als drei Monate nicht in jedem Fall dabei. Laut einer bekannten Webseite, die sich an Arbeitnehmer und ihre Rechte richtet, kann sich der Lohn unter gewissen bedingungen unter dem von den Arbeitsverbänden ausgehandelten Minimalbetrag bewegen. beispielsweise dann, wenn die Arbeitsstelle nicht durch einen der Tarifverträge der branche geschützt ist. Diese Verträge existieren zum beispiel in der Maschinenbaubranche (120 000 Arbeitnehmer), in der Automobilindustrie (20 000 Arbeitnehmer) und in der Reinigungsbranche der Deutschschweiz (35 000 Arbeitnehmer). Die Webseite informiert auch darüber, dass bei Krankheit in den ersten drei Monaten des Arbeitsverhältnisses möglicherweise kein Anrecht auf eine Lohnfortzahlung besteht. Ebenfalls solle man im Temporärgeschäft auf der Hut sein, warnt man auf der Webseite, da mitunter etablierte Standards, wie der Mindestlohn, der 13. Monatslohn, das Recht auf bezahlte Ferien und Weiterbildungsmöglichkeiten missachtet werden.
Schliesslich entsprechen die vorgeschlagenen Arbeiten nicht immer unseren Vorstellungen, da gewisse Arbeitsbereiche eine grosse Anzahl Arbeitskräfte benötigen, andere bereiche aber fast keine Temporärstellen anbieten.
Antoine, ein Freund, der mittlerweile seit drei Jahren in einer Schweizer Firma angestellt ist, hat seine Stelle über eine Temporärfi rma erhalten. Er hat erst einen befristeten Arbeitsvertrag in der besagten Firma ergattert. zunächst wurde sein Arbeitsvertrag verlängert, weil er gute Arbeit geleistet hatte und anschliessend wurde ihm sogar ein unbefristeter Vertrag angeboten.
Dagegen hat Claire eher schlechte Erfahrungen gemacht : Sie hat sich als Studentin im Masterprogramm, bei einer Temporärfirma angemeldet, um während der Sommerferien eine temporäre Arbeit zu finden. "Ich habe bei meiner Anmeldung genau angegeben, dass ich eine zwanzigjährige Frau bin, aber die vorgeschlagenen Stellen wurden jeweils an alle registrierten Kandidaten geschickt und waren absolut unangemessen. Es handelte sich um Jobs für kräftige Männer, welche grosse körperliche Anstrengung erforderten! zum glück habe ich für diesen Sommer trotzdem noch eine Arbeit gefunden, aber nicht dank dieser Agentur..."
Schlussfolgerung Die temporäre Arbeit hat seine Vertreter und diejenigen, die sie ablehnen. Sie ist zwar eine gute zwischenlösung, bietet aber auch nicht immer einen Traumjob oder eine Arbeit, die deinen Qualifi kationen entspricht. Andererseits lässt sie dir eine gewisse Flexibilität, was in der Arbeitswelt selten genug ist. Es sind nicht alle Agenturen gut und manchmal ist es auch nicht selbstverständlich, dass deine Rechte durch einen Vertrag wie oben genannt respektiert werden. zögere also nicht, einen Verband zu kontaktieren, der dir helfen kann!