tipps > Heft 006

Assessment Centers

Was steckt hinter dieser neuen Form von Auswahlverfahren

Wer hat nicht schon einmal aus Spass an einem Wettbewerb teilgenommen? Auch wenn die gewinnchancen gering erscheinen: Dabei sein ist alles!

Sind Wettbewerbe Kinderkram? Nicht unbedingt, denn auch bei Unternehmen sind organisierte Auswahlverfahren eine beliebtes Mittel, um neues personal zu rekrutieren. So bedienen sich auch grosse Unternehmen und Organisationen wie L'OREAL, die Vereinten Nationen oder die schweizerische botschaft dieser Methode um ihre zukünftigen Angestellten auszuwählen.

Aufbau eines Assessment Centers

Jedes Unternehmen hat seine eigenen Regeln und Vorgehensweisen, die meist im Internet zu fi nden sind. Die verschiedenen Anforderungen, Termine und Teilnahmebedingungen sind dort auch aufgelistet und erklärt.

L'OREAL Schweiz beispielsweise führt zwei solcher Wettbewerbe durch: L'Oréal brandstorm und L'Oréal e-Start Challenge. Dieses Unternehmen bietet damit Studenten schweizerischer Hochschulen die gelegenheit, ihre Fähigkeiten im bereich Marketing und Unternehmensführung in verschiedenen projekten auf die probe zu stellen. Die gewinner präsentieren ihr projekt anschliessend im internationalen Finale. Im bereich Marketing nehmen die Teilnehmer für einen Monat die Rolle eines produktmanagers ein und müssen während dieser vier Wochen selbstständig ein projekt planen und realisieren. Der Wettbewerb im bereich Unternehmensführung besteht darin, die an einen general Manager gestellten Anforderungen zu erfüllen. Dazu gehört eine Unternehmensleitung, die über den Umweg einer visuellen Informationssimulation erprobt wird.

Anders aufgebaut sind Auswahlverfahren, die von der schweizerischen botschaft organisiert werden, um qualifizierte Arbeitskräfte für Konsulatsstellen in der Schweiz oder im Ausland zu finden. Hier steht das Allgemeinwissen der Kandidaten im Vordergrund, sowie ihre Kenntnisse in politik, Ökonomie, Recht, geschichte und Finanzwesen. Auch auf persönliche Fähigkeiten, wie zum beispiel soziale Kompetenz und Organisationstalent, wird grossen Wert gelegt. Es gilt also, sich gut auf einen solchen Wettbewerb vorzubereiten, da man möglicherweise nur einmal die gelegenheit bekommt, daran teilzunehmen.

Wie man sich vorbereiten sollte Organisierte Auswahlverfahren haben den Vorteil, dass die Termine meist lange im Voraus feststehen und nicht so unerwartet stattfi nden, wie herkömmliche bewerbungsgespräche. Das sollte man ausnutzen und sich gründlich vorbereiten. zunächst ist es unerlässlich, sich die Teilnahmebedingungen genau durchzulesen. Die Anforderungen an die Teilnehmer sind meist auf entsprechenden Internetseiten sehr detailliert aufgelistet. Ausserdem lohnt es sich nach Auswahlverfahren aus vergangenen Jahren zu suchen oder ehemalige Teilnehmer nach ihren Erfahrungen zu fragen. Wichtig ist auch, sich mit der Unternehmensphilosophie vertraut zu machen. bestimmte Schlagworte, die in der Selbstdarstellung des Unternehmens auftauchen, kann man beispielsweise selbst verwenden, um zu zeigen, dass man sich mit den jeweiligen Werten identifi ziert. So signalisiert man dem Unternehmen, dass man mit seiner internen politik übereinstimmt und der perfekte Kandidat für die Stelle wäre.

Die Vorteile

Herkömmliche, circa einstündige bewerbungsgespräche sind mit viel Aufregung und Stress verbunden. Oftist man im Nachhinein frustriert und enttäuscht, weil man den Eindruck hat, in der kurzen zeit keine gelegenheit gehabt zu haben, seine Stärken hervorzuheben. Unerwartete Fragen beispielsweise können einem in solchen Stresssituationen regelrecht die Sprache verschlagen.

Auswahlverfahren in Form eines Wettbewerbs lassen hingegen eine frühzeitige Vorbereitung zu und bieten vor allem die Möglichkeit, in seinem eigenen Tempo zu arbeiten. Im gegenteil zu einem bewerbungsgespräch hat man hier länger zeit, seine Fähigkeiten darzustellen und zu zeigen, dass man für den posten geeignet ist.

Auch seitens der Arbeitgeber ist diese Form der Rekrutierung sinnvoll. So gewinnt man ein genaueres bild der bewerber und kann ausserdem beobachten, wie sie mit anderen zusammenarbeiten. Solche soziale Kompetenzen, beispielsweise Anpassungs- und Teamfähigkeit, sind zunehmend gefragt, denn branchenkenntnisse allein genügen nicht, um für eine Stelle geeignet zu sein.

Die Nachteile

Diese Form des Auswahlverfahrens ist zeitaufwändiger als ein traditionelles bewerbungsgespräch. Aufgrund der langen Vorbereitungszeit und Energie, die die Kandidaten in die Vorbereitung investieren, ist es umso enttäuschender eine Absage zu erhalten.

Andererseits sollte man sich bewusst sein, dass schon die blosse Teilnahme an einem solchen Wettbewerb sehr hilfreich sein kann. Aus seinen Fehlern kann man nützliche Schlüsse ziehen und weiss, woran man in zukunft arbeiten sollte. Die Teilnahme kann auch bei zukünftigen bewerbungen als Erfahrung angegeben werden. Nun müsst ihr nur noch teilnehmen!

 
 
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