tipps > Heft 005

Wie man sich für einen Job verkauft

Die zehn Gebote

Das Vorstellungsgespräch und seine schicksalshafte Bedeutung versetzen viele Bewerber in Angst und Schrecken. Im besten Fall wird es als ein Gespräch angesehen, im Schlimmsten als ein Verhör. In den USA hingegen spricht man eher von der Abwicklung eines Verkaufsgeschäfts, bei dem du das zu verkaufende Objekt bist und dein Befrager den potentiellen Käufer darstellt, den es zu überzeugen gilt. Um mit dieser Devise Erfolg zu haben, musst du aber vorbereitet sein. Niels H. Nielsen, Gründer eines Unternehmens für Personalberatung sagt, worauf es dabei ankommt.

1. Vorbereiten sollst du dich
Es wäre verlorene Zeit, unvorbereitet zu einem Einstellungsgespräch anzutreten. Da kannst du eben so gut zu Hause im Bett bleiben. Zur Vorbereitung gehört zum Beispiel, dass du im Internet Informationen über deinen künftigen Arbeitgeber suchst. Dabei kannst du auch herausfinden, welche Eigenschaften und Fähigkeiten für die Stelle verlangt werden und zwar besser, als anhand der Stellenbeschreibung des Inserats. Das Vorstellungsgespräch muss genau geplant werden. Die Schlüssel zu deinem Erfolg sind Selbstsicherheit und Interesse.

2. Du sollst kennen dein Gegenüber
Versetze dich in den Befrager. Dich einzustellen bedeutet für ihn auch, ein Risiko einzugehen: Falls er dich falsch einschätzt, wird er sich bestenfalls später sagen können, dass er mit dir wertvolle Zeit verloren hat, schlimmstenfalls jedoch verliert die Firma deinetwegen viel Geld. Sei also positiv und zeig ihm, dass es eine gute Wahl ist, dich zu nehmen.

3. Fragen stellen sollst du
Als Student weisst du bestimmt, dass dies das oberste Prinzip jeder mündlichen Prüfung ist. Anstatt auf Fragen zu warten, die du eventuell nicht beantworten kannst, bringst du dein gegenüber dazu, dir jene Fragen zu stellen, auf die du antworten möchtest. Da du das Unternehmen nun gut kennst (siehe erstes gebot), kennst du auch dessen Probleme. Der Interviewer wird von dir wissen wollen, wie du gedenkst, sie zu beheben. Selbstverständlich bist du auch dafür gewappnet und kannst einmal mehr unter Beweis stellen, dass die Firma dich braucht.

4. Du sollst an dich glauben
Positiv zu denken bedeutet nicht naiv zu sein; es strahlt Erfolg aus. Du bist die ideale Person für diese Stelle und das zeigst du voller zuversicht. Ein solches Auftreten weckt die Neugier des Befragers. Sei nicht unterwürfi g, sondern interessiert, aber übertreibe es nicht. Da du ja der Beste bist, ist es dir eigentlich gar nicht so wichtig, diese eine Stelle zu bekommen. Wenn sie dich nicht wollen, wird eben jemand anderes dein Talent nutzen dürfen. Aber Vorsicht ! Diese Ratschläge stammen aus den USA. In Europa werden eher bescheidene Bewerber bevorzugt. Es liegt an dir, deinen gesprächspartner einzuschätzen und dein Auftreten danach zu richten (siehe zweites gebot).

5. Du sollst das Ende bestimmen
Wann beendet man die Unterhaltung? Am Ende? Ja klar, aber wann ist das? - ganz einfach: Wann du es willst! Das gespräch beenden bedeutet aber nicht, aufzustehen und davonzurennen. Es bedeutet, behutsam den selbst gewählten Abschluss den gesprächspartnern aufdrängen. Wenn du beispielsweise weisst, dass das Unternehmen ein Problem hat (siehe drittes gebot), beschreibe deine Lösung und frage hinterher: "Könnte das Ihnen weiterhelfen?" Normalerweise solltest du ein "ja" als Antwort erhalten, was man schon einmal gerne hört. gut aufzuhören erfordert Prägnanz. Knappe und präzise Sätze sind meist besser als langatmige Reden.

6. Du sollst wagen zu beenden
Mach eine Liste von kurzen Schlusssätzen. Diese müssen so gut sein, dass man sie in einem Managerhandbuch festhalten könnte. Wer schon einmal Telefonverkäufe gemacht hat, kennt schon ein paar Techniken, die dabei hilfreich sind. Die Wahlpfl icht gehört zu jeder Terminvereinbarung. Anstatt den Befrager nach einem Datum für ein Treffen zu fragen, schlage ihm einige vor : "Wann würde es Ihnen besser passen für ein gespräch, nächsten Donnerstag oder Freitag ?" Die Absicherung Wenn du die Lösung eines Problems erklärst, nenne den Namen des Arbeitgebers (falls ein solcher vorhanden sein sollte), bei dem du schon einmal damit Erfolg gehabt hast. Das sichert dich ab und verleiht dir glaubwürdigkeit. Bist du noch am Anfang deiner Karriere, kannst du auch auf Praktika und ähnliche Erfahrungen zurückgreifen. Die Wir-Form Ihr sprecht nicht über das Unternehmen des Befragers, sondern von eurem! Es gibt kein "Sie" und "ich", es gibt nur "wir". Die Verwendung von "wir" bringt dich der Firma bereits näher, lässt dich bereits teilnehmen, zumindest fiktiv.

7. Du sollst alle zweifel ausräumen
"Sie sind überqualifi ziert!" Das zu hören schmerzt und bedeutet oft, dass der Befrager bereits Angst hat, dich eines Tages entlassen zu müssen. Wie kann man eine solche Behauptung widerlegen?"Sie haben also das gefühl, dass ich überqualifi ziert bin? - Das ist möglich. Aber das ist ein Vorteil. Ich bin schneller voll einsatzfähig, ganz besonders hinsichtlich der Lösung des Problems, von dem wir eben gesprochen haben (siehe zweites gebot)". Einwände zurückzuweisen ist eine Wissenschaft, eine wahre Kunst sogar. Bereite dich darauf vor, indem du dir mögliche Einwände vorstellst, die der Arbeitgeber haben könnte und denk dir Antworten darauf aus. Frage ruhig andere nach ihren Erfahrungen, um herauszufi nden, was alles gefragt werden kann und was es für Antworten gibt.

8. Du sollst deine Worte strukturieren, den Job anvisieren
Eine dynamische Rede ist nicht ein unendlich langer, mündlich vorgetragener Aufsatz. Die Sätze sollten auf das Notwendige reduziert werden. Die Präsentation muss vorbereitet sein und einprägsame "Leitsprüche" beinhalten, die dich im gedächtnis des Befragers bleiben lassen und dich somit zum einzig wahren Kandidaten für die Stellen machen. Ein wenig Humor ist ebenfalls angebracht, aber bloss nicht zu viel. Wenn du dann schliesslich deinen Befragern gegenüber sitzt, vergiss nicht dein eigentliches ziel, den Job. Du kannst in dieser Hinsicht deinen Vortrag laufend anpassen und in die gewünschte Richtung führen.

9. Korrekt beenden sollst du das gespräch
Eine kleine zusammenfassung deiner Qualitäten ist dem Befrager eine grosse Hilfe. Vergiss nie, ihm am Ende des gespräches zu danken.

10. Mit Vorsicht geniessen sollst du diese gebote
Wie auch für die Millionenshow gibts auch für das Vorstellungsgespräch keine Wunderformel, mit der du sicher bis nach oben kommst. Der beste Rat, den man Bewerbern geben kann, ist sich selbst zu sein. Es hat keinen Sinn, dick aufzutragen, wenn du eigentlich eine schüchterne Natur bist. Die "Schicksal bestimmende Waffe" ist letztendlich eine gute Vorbereitung.

 
 
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