![]() |
|
Nichts desto trotz hat sich students-careers mit Benoît Gaillard, Mitglied der FAE (Fédération des Associations d'Etudiants/UNIL) getroffen, um die letzten Zweifel im Bezug auf die Übergansphase «Lizentiat-Master» aus dem Weg zu räumen. Wie denkt er über die aktuellen Probleme und Herausforderungen?
Damit sollten die letzten Zweifel in Bezug auf den Anerkennungsgrad von Lizenziaten und Mastern aus der Welt geschaffen und die aktuellen Probleme und Herausforderungen ans Licht gebracht werden.
Schluss mit dem Rätsel um die Gleichstellung von Lizenziat und Master.
Filip Grund, Leiter des Personalamts des Kantons Waadt, gab letztes Jahr an, ein Lizenziat sei für ihn etwa gleichwertig mit dem Bachelor (Pressemitteilung der FAE). Diese Aussage erhitzte die Gemüter der Studierenden, ist ein Lizentiat in der Tat höher anzusiedeln als der in der Regel 4 Jahre dauernde Bacholor-Abschluss. In der Zwischenzeit wurden die Studierenden genügend informiert, um den Stellenwert ihres Abschlusses genau zu kennen und sich durch Aussagen wie die obige nicht verunsichern zu lassen. Doch was denkt sich ein zukünftiger Arbeitgeber, der in einer Gratiszeitschrift eine solche Aussage liest?
Die letzten Absolventen, die mit einem Lizenziat abschliessen, profitieren von einer Bescheinigung, die besagt, dass ihr Lizenziat einem Mastertitel von 240 ECTS-Punkten gleichkommt. Wer sein Studium noch mit dem Lizenziat abschliesst, kann sich entscheiden, ob er sich als Inhaber eines Masters oder eines Lizenziats vorstellen möchte (als Wahlmöglichkeit, jedoch nicht kumulierbar). Worin bestehen also die Nachteile der Lizenziaten gegenüber den Inhabern eines «echten» Masters? Benoît Gaillard betont, dass der Unterschied auf diesem Niveau bei den Leistungspunkten zu finden sei. Die bisherigen Lizenziate werden laut ECTS (European Credit Transfer System) lediglich mit 240 Leistungspunkten gewertet, weil der Lizenziatsstudiengang offiziell nur 4 Jahre dauert. Ein Masterstudiengang von viereinhalb Jahren hingegen entspricht 270 Punkten und ein fünfjähriger, spezialisierter Master wird mit 300 Punkten entlöhnt. Benoît Gaillard macht auf das Problem aufmerksam, das durch die Spezialisierung verursacht wird:
«Früher hat sich der Titel selbst bei einer Spezialisierung nicht geändert, es blieb ein Lizenziat. Ganz anders ist es zurzeit mit den Mastertiteln, bei denen mit den ECTS-Punkten von 240, 270 oder 300 ein reeller Unterschied aufgezeigt wird.»
Studierende, die heute mit einem Lizenziat abschliessen, haben die Möglichkeit, ein Zusatzdiplom von 30 Kreditpunkten zu machen. Dies bringt ihnen ein Masterzertifikat von 270 ECTS-Punkten ein. Heutzutage, da man noch nicht genau weiss, welchen Schwierigkeiten die Universitätsabgänger mit Lizenziat im Berufsleben begegnen werden, zögern viele Studierende, diesen Schritt zu tun. Sie empfinden es als ungerecht und diskriminierend nach 5 Jahren Lizenziatsstudium, ihre Studienzeit um weitere 6 Monate verlängern zu müssen. Gemäss B. Gaillard werden Studienabgänger in der Berufswelt einer eventuellen Diskriminierung begegnen, dh. einer oberflächlichen Einteilung in Master- und Lizentiatsabgänger.
Der eine oder andere Bewerber wird sich wohl durch die Bewertung seines Masters, bzw. Lizentiats durch den Arbeitgeber vorschnell schubladisiert und falsch eingestuft fühlen.

Für Benoît Gaillard besteht das Problem des Bologna-Prozesses darin, dass die einzelnen Partner des Bologna-Systems einander noch nicht genügend Vertrauen entgegenbringen. Dank des Systems ist es jedoch eine Gleichstellung der verschiedenen Diplome möglich theoretisch ein bedeutender Vorteil
Etwas anders sieht es dann aber in der Realität aus : Die vermittelten Inhalte der Masterkurse sind in den verschiedenen Ländern unterschiedlich, selbst wenn das System an sich vergleichbar ist. Was ein Terminologieproblem des ehemaligen Systems war (man weiss zum Beispiel, dass ein Lizenziat aus Frankreich in der Schweiz einem Halblizenziat oder einem Bachelor entspricht), hat sich heute zu einem anderen Problem entwickelt. Einige Länder sind dem Elitedenken verfallen und erkennen Leistungspunkte oder Diplome, die anderswo erlangt wurden, nicht an. Daher ist eine Diskriminierung von Inhabern gleichgestellter Diplome ebenfalls sehr wahrscheinlich
Weiter bestehen bleibt auch das Problem von Diplomen, die in den USA und anderen Ländern ausserhalb des Bolognasystems erworben wurden. Welchen Wert haben unsere Abschlüsse in den USA und umgekehrt
Möglicherweise werden Abgänger einer Schweizer Universität dank des Masterdiploms nun weniger Mühe haben, in den USA ihrer tatsächlichen Ausbildung entsprechend eingestuft zu werden. Das Problem der nicht ganz kompatiblen Universitätsabschlüsse bleibt jedoch bestehen
Denn trotz Gleichwertigkeitsbescheinigung können bei der Stellensuche Schwierigkeiten auftreten. Wer sich auf einem anderen Kontinent etablieren möchte, wählt mit einem Zusatzdiplom bis anhin zweifelsohne die beste Lösung.
Benoît Gaillard spricht ebenfalls die neuen Herausforderungen innerhalb des Schweizer Systems an. Zurzeit tendiert das Differenzierungssystem zwischen Fachhochschulen und Universitäten undurchschaubar und lückenhaft zu werden. Wie das Komiteemitglied der FAE erklärt, ist es « das Dualsystem, das den Stolz unseres nationalen Systems ausmacht. Auf der einen Seite die Universitäten und die Technischen Hochschulen, auf der anderen Seite die Fachhochschulen ». Heute bereitet der Wunsch nach Harmonisierung Schwierigkeiten : « Inzwischen stellen die Fachhochschulen wie die Universitäten Bachelor-Diplome von 180 ECTS-Punkten aus. »
Eine erste Problematik zeigt sich darin, dass die Aufnahmebedingungen nicht die gleichen seien. « Dies scheint anzudeuten, dass es sich nicht um dasselbe Niveau handelt » , meint Benoît Gaillard. Mit einem gleichnamigen Abschluss mit derselben Anzahl an Leistungspunkten hält man einen Titel in der Hand, welcher nicht denselben Inhalt und nicht die gleiche Möglichkeit zu einem weiterführenden Masterstudium bietet. Man kann sich fragen, welchen Nutzen es daher hat, weiterhin zwischen den Systemen und den Aufnahmebedingungen zu unterscheiden und was für eine Bedeutung den Diplomen in der Arbeitswelt beigemessen wird.
Wie B. Gaillard schliesslich erläutert, dienen diese Titel den Arbeitgebern als Garanten, dass bestimmte Kenntnisse erworben wurden. In der fortlaufenden Bewerbungsprozedur werden weitere Tests ausgeführt, um herauszufi nden, wie gut sich der Arbeitssuchende verschiedenen Situationen anpassen kann. Es ist zu hoffen, dass das Lizenziat auch weiterhin seinen Stellenwert behalten kann und dass die Tests zeigen, dass es zwischen dem intellektuellen Niveau eines Lizentiat- oder Masterabsolventen keine Unterschiede gibt.