
Nach meinem Studium am Institut für Kriminologie und Strafrecht (jetzt Schule für Kriminalwissenschaften) absolvierte ich ein fünfmonatiges Praktikum beim kriminaltechnischen Dienst der Kriminalpolizei. Nach Vollendung dieses Praktikums besuchte ich die PolizeiAspirantenschule für die Kantonspolizei Waadt und seit Januar 2005 arbeite ich beim kriminaltechnischen Dienst. Mein Praktikum erlaubte es mir, mir bei der Brigade, wo ich heute arbeite, einen Namen zu machen. Danach habe ich die Aufnahmeprüfung für die Polizeischule abgelegt. Ich bin also den klassischen Weg zum Kriminalisten gegangen.
Man muss aufpassen, den Beruf des Kriminalisten - was ich bin, nicht mit demjenigen des Kriminologen zu verwechseln. Die Kriminologie gehört zur Humanwissenschaft, die wiederum der Psychologie angehört und welche die Erforschung des kriminellen Verhaltens und der Kriminalstatistik beinhaltet. Die Kriminalistik ist keine Geisteswissenschaft, sondern eher technischer Natur. Meine Aufgabe besteht darin, die Bestandesaufnahme am Tatort durchzuführen und alle Spuren, die vom Täter zurückgelassen wurden, sicherzustellen, diese im Labor zu untersuchen und sie zur Identifi kation des Täters auszuwerten. Dazu gehören die wissenschaftliche Forschung, um Fahndungs- und Spurensicherungstechniken zu entwickeln, die Verwaltungsführung einiger Bereiche sowie die organisation und Wartung der Labors. Jeder Fall ist eine neue Herausforderung. Die grösste Herausforderung ist jedoch, sich gleichzeitig mit der Technologie weiterzuentwickeln und sich nicht von ihr überholen zu lassen.
Ich habe keinen Karriereplan, sondern versuche, keine sich bietende Möglichkeit zu verpassen (Berufsreisen, Auslandkurse, Weiterbildungen). Um meine Karriere voranzutreiben, könnte ich meine universitäre Laufbahn wieder aufnehmen und eine Doktoratsarbeit schreiben, um mich dann in einem bestimmten Fachbereich zu spezialisieren. Ich könnte aber auch in der Strafverfolgung oder in einem Privatunternehmen wie zum Beispiel einer Versicherung oder einem Untersuchungslabor arbeiten.
Die Ausbildungen, die zu diesem Beruf führen, sind eine Polizei-Ausbildungsbescheinigung (Polizeiakademie während eines Jahres), ein Bachelor und/oder ein Master of Science in Forensic Science an der Schule für Kriminalwissenschaften an der Universität Lausanne (drei oder fünf Jahre). Wer Kriminalist werden möchte, sollte das aus Leidenschaft wollen, denn man muss unter Zeitdruck arbeiten können und akzeptieren, manchmal einen vollen Terminkalender zu haben. Zudem sollte man praktische Einsätze genauso lieben wie die Arbeit im Labor oder am Computer. Wir raten, sich gut über die Anforderungen dieser Ausbildung und denjenigen der Arbeit zu erkundigen. In der Tat gibt die Serie CSI, so spannend sie auch ist, eine idealisierte Vorstellung unseres Berufs wieder - ganz ohne die Gerüche, die Müdigkeit, den Stress und nicht zu vergessen die Routine. In der Theorie ist alles spannend. Man muss sich auch bewusst sein, dass zwölf bis vierzehn Wochenenden pro Jahr von der Arbeit eingenommen werden. Es gibt also sehr wohl auch Nachteile.