tipps > Heft 001

Die zehn gebote des erfolgreichen bewerbers

Die Welt besteht aus Regeln, die uns auferlegt werden oder die wir uns selbst auferlegen. Diesen Monat wollte etudiants.ch dir helfen, eine Arbeit zu finden. Oder besser gesagt, wir haben versucht, dir die harte Realität des Stellenmarktes und der Vorstellungsgespräche aufzuzeigen.

 

I. sei besser als die anderen und du wirst dem Profil entsprechen:
Einen Doktortitel in Politikwissenschaften und ein Praktikum in einem New Yorker Unternehmen ist gut, aber es ist noch nicht besser als es schon Max Müller und Melanie Meier gemacht haben. Bereite Argumente zu deinen Gunsten im Voraus vor, um am Tag X nicht herumzustammeln und um zu zeigen, dass du absolut dem gesuchten Profil entsprichst.

II. bleibe bescheiden und du wirst den Kopf nicht verlieren:
Besser bist du, aber du bist sicherlich nicht der hochnäsige Schnösel, der den Rest der Welt schlecht macht. Alles liegt in der Haltung: trage einen gelassenen und heiteren Gesichtsausdruck zur Schau (jedoch nicht zu fröhlich, der Personalverantwortliche ist nicht dein Kollege!). Füge eine gute Wortwahl hinzu, das sind die Schlüssel zum Erfolg! Zu vermeiden: Armani- Anzug und Windsor-Akzent.

III. stelle deine Qualitäten in den Vordergrund:
Zeige deine Zertifikate in Englisch - Proficiency -, Arabisch, Chinesisch, Japanisch, Russisch und Spanisch. Zähle auch einige deiner zahlreichen Qualitäten auf (du bist der Beste), aber ohne eine zehnminütige Liste aufzustellen, denn wir sind nicht in einem «Wer-sagt-diemeisten- Wörter- Wettbewerb»; zu viel Gerede ist ein Zeichen von Unbehagen.

IV. verwandle deine Fehler in Trümpfe:
Dein Master in Sanskrit und Tibetisch (für deinen Vater sind es fünf verlorene Jahre...) verwertest du in einen Beweis für dein weltoffenes Wesen, deine ungeklonte und einzigartige Persönlichkeit. Und deine Engstirnigkeit lässt dich zumindest nicht aufgeben, wenn du während der Arbeit auf ein Hindernis stösst.

V. junger Körper, reifer Geist: das das Wesentlichste aller Gebote (für den Arbeitgeber) ist vielleicht dieses hier:
Eine 25 bis 30-jährige Person, die ein Praktikum in NY und ein anderes in Peru absolviert hat, die Chinesisch und Russisch spricht (wie bereits erwähnt). Kurz gesagt jemand, der Erfahrung und die Gewandtheit eines Seniors besitzt und dazu noch die Schönheit (nicht zu übertrieben, denn das wäre irritierend; ein flacher Bauch und keine Tränensäcke unter den Augen genügen) und die Gehaltsforderung eines Jugendlichen aufweist.

VI. wisse dich allen Situationen anzupassen:
Als perfekter Bewerber kannst du auch bei einer Überschwemmung der Toiletten in der fünften Etage improvisieren, kurz gesagt, du weisst was in allen unerwarteten Situationen zu tun ist: Lösungen finden ohne ins Schwitzen zu kommen! Während dem Vorstellungsgespräch wird man dich vielleicht dazu auffordern, eine Improvisation zu machen. Das ist kein Theater, du solltest diesen Moment zu deinem Vorteil nutzen: dein komödiantisches Talent (nicht komisches) und deine beruflichen Trümpfe.

VII. wisse zuzuhören:
Man wird von dir verlangen, über dich zu erzählen. Aber nicht nur. Nicke bei Fragen nicht nur mit dem Kopf, denn einige Sätze sind immer willkommen. Trotz der Schlagfertigkeit, die du sicherlich besitzt, unterbreche niemals deinen erhofften zukünftigen Boss.

VIII. wisse gestellte Fallen zu erkennen:
Wenn dir dein zukünftiger Boss acht Franken pro Stunde anbietet und deine Reaktion abwartet: das ist ein Test! Wenn das nicht der Fall ist, flüchte geschwind, man soll's ja nicht übertreiben! Sage zu vielem Ja, aber nicht zu allem Amen. Man muss sich zu wehren wissen, wenn gewisse Sachen tatsächlich von dir erwartet werden (die acht Franken pro Stunde, etc...).

IX. sei flexibel:
Du wärst bereit auf die Liebe zu verzichten, wenn man dich auf eine fünfjährige Mission nach Minsk oder Ulaanbaatar schickt. Du wärst bereit, selbst unmenschliche Arbeitszeiten (Wochenenden inbegriffen) auf dich zu nehmen. Das trifft sich gut, denn du hast (in Minsk) auf die Liebe verzichtet und du gedenkst nicht, dich in den nächsten fünfzehn Jahren um Kinder zu kümmern, denn dies wäre ja mit der Karriere schlecht zu vereinbaren.

X. bleibe zielsicher und zuversichtlich:
Du willst diesen Job und du wirst ihn bekommen! Du bist derjenige, der in der Firma ergänzt, was ihr fehlt - das ist altbekannt - du bist derjenige, den St. Nikolaus (aus Minsk) geschickt hat.

Wenn man dich nach Ulaanbaatar schickt, geht das Leben trotzdem weiter! Wenn du dich in diesen zehn Punkten wiederfindest (die Zehn, ja die Zehn), dann bravo, du bist ein guter Kandidat, ja sogar der ideale Bewerber!

 
 
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