Ratschläge > Heft 001

Daniel Borel

Sein unternehmen ist soeben in den stark geschlossenen kreis des NASDAQ-100 index aufgenommen worden, die begegnung mit einem unternehmer, der den kontakt mit den studenten immer aufrechterhalten hat

Ihre Firma hat gerade ihr erstes Vierteljahrhundert gefeiert. Wären Sie heute, in Anbetracht der gemachten Erfahrungen, wieder bereit, sich auf das Abenteuer der Gründung einer solchen Firma einzulassen?
Ja, auf alle Fälle. Ich würde sogar sagen, die Voraussetzungen waren noch nie besser! Die Welt ist voller Möglichkeiten. Die geographischen Hindernisse sind verschwunden. Wer einen Stuhl, einen PC und eine gute Internetverbindung hat, für den ist alles möglich. Egal wie gross Ihre Firma ist, Sie können weltweit mitspielen. Natürlich können die Anderen das auch. Es liegt also an Ihnen, sich von der Konkurrenz zu unterscheiden.

Sie haben das Glück, für Ihre Arbeit die Welt zu bereisen. Welcher ist, ihrer Ansicht nach, der Standpunkt der Schweizer Hochschulen im internationalen Vergleich?
Als Firmenchef stelle ich jeden Tag fest, wie wichtig das Humankapital ist und dies den Unterschied macht, wenn es darum geht, konkurrenzfähig zu sein. Vor etwa zehn Jahren haben mich Freunde aus China darauf aufmerksam gemacht, wie viel Wert in ihrem Land auf Ausbildung gelegt wird. Tatsächlich, 30 Universitäten in Shanghai, eine drakonische Auswahl, hochmotivierte Studenten, die bereit sind, sehr hart zu arbeiten, um das Ziel ihrer Studien zu erreichen und sich den Privilegien, von denen sie profitieren, würdig zu zeigen. Auf unsere Situation übertragen, denke ich, dass unsere Hochschulen, um akademisch weltweit mithalten und zur wirtschaftlichen Entwicklung unseres Landes beitragen zu können (was wir berechtigterweise erwarten können), keine andere Wahl haben, als auf Exzellenz zu setzen. Wir müssen also den Hochschulen die geeigneten Mittel gewähren, denn Ausbildung ist keine Ausgabe sondern eine Investition.

Was müssen die Hochschulen tun, damit sie ihre Position halten/ verbessern können?
Sich nicht im Elfenbeinturm verschanzen. Offen und aufmerksam sein für das, was in der Welt passiert. Und vor allem keine Angst haben, sich mit anderen Institutionen zu vergleichen und zu messen. Heute kann man sich nicht mehr auf Alterworbenem oder auf seinem Ruf ausruhen. Das Wissen ist in Bewegung und Mobilität ist zur Tagesordnung geworden. Sie können sich also nicht damit begnügen, gut zu sein... wenn die anderen noch besser sind! Gute Qualität muss zur Selbstverständlichkeit gehören, egal in welchem Bereich. In diesem Zusammenhang können Rankings oder andere Formen von Bewertungen ein Segen sein.

In Bezug auf die Arbeit: was würden Sie einem/einer jungen Erwachsenen raten, der/die eine Karriere in einer internationalen Firma starten möchte?
Die Welt kennen. Über Praktika oder «grundlegende» Tätikeiten Lebenserfahrung im Ausland sammeln. Sich in andere Kulturen begeben, um deren Reichtum und Vielfältigkeit schätzen zu lernen. Und natürlich Englisch beherrschen ohne zu vergessen, dass auch andere Sprachen wertvolle Trümpfe darstellen können.

Sollte man sich, Ihrer Meinung nach, eher für osteuropäische Länder, für aufstrebende Länder wie beispielsweise Indien interessieren oder bleiben die USA noch für einige Jahre das Land der unbegrenzten Möglichkeiten?
Ich denke, dass die USA weiterhin viele Menschen anziehen und zum träumen bringen. Das ist gleichermassen ein Übergangsritus und, in Anbetracht der Grösse des Marktes, der wirtschaftlichen Dynamik, dem Unternehmergeist und der Geschichte der USA, eine bereichernde Erfahrung. Also ein Must in einer Karriere.

Die von Ihnen erwähnten Länder verdienen jedoch unsere ganze Aufmerksamkeit. Sie haben es gesagt, das sind aufstrebende Länder, vor allem Indien und China. Sie könnten zu neuen Eldorados werden. Heute erscheinen uns ihre Strukturen und Mentalitäten noch schwierig zu erfassen, daher haben wir noch eine gewisse Zurückhaltung. Aber wer weiss, wie es morgen aussieht?

Gibt es für Jungunternehmer noch Platz in der Schweiz?
Auf alle Fälle. Vielleicht sogar mehr als je zuvor. Die Möglichkeiten sind gegeben und heute kann sich eine Firma sehr schnell auf einem globalen Niveau profilieren. Ich frage mich übrigens immer noch, warum Google oder Yahoo nicht in der Schweiz gegründet wurden. Es werden keine schweren Infrastrukturen gebraucht, sondern graue Zellen und darüber verfügen wir doch viel. Dank Internet ist die Kommunikation einfach und schnell geworden. Sie können mit Einheiten, welche über die ganze Welt verstreut sind, den Kontakt pflegen. Und im Gegensatz zu dem, was man glauben möchte, gibt es in der Schweiz für gute Projekte auch finanzielle Ressourcen.

Morgen schlägt man Ihnen vor, an einem Projekt mit Studenten mitzuarbeiten: welche Herausforderung würden Sie ihnen stellen, um eine Auswahl zu treffen? Und anhand welcher Kriterien?
Die Leidenschaft! Immer und immer wieder. Egal wie das Projekt aussieht. Wenn es diesen Motor nicht gäbe, würde es nicht einmal Sinn machen darüber zu reden. Wenn die Leute daran glauben, wenn sie überzeugt sind, sich selber übertreffen wollen und den Willen haben etwas «Grosses» zu schaffen... dann bin ich dabei.

Sie haben vor ein paar Jahren das Projekt «SwissUp» gegründet. Wie sehen die zukünftigen Projekte der Stiftung aus?
SwissUp wurde 2001 zu dem Zeitpunkt gegründet, wo man von der «Geburt der Wissensgesellschaft» sprach. Damit die Schweiz eine Chance hatte, in dieser Gesellschaft zu existieren, musste sie auf ihre besten Köpfe zählen können. Daher unsere Idee für einige Ausbildungszweige Rankings ins Leben zu rufen, die Unterschiede zwischen den Schweizer Hochschulen ans Licht gebracht haben und die Diskussion über die Qualität der Ausbildung und der Lehre angeregt haben.

Wenn auch nützlich, war ein auf die Schweiz begrenzter Vergleich jedoch nicht ausreichend. Mit der CRUS konnte SwissUp österreichische und deutsche Hochschulen und vor kurzem auch Fachhochschulen mit einschliessen. Allerdings ist nur ein weltweites Ranking wirklich interessant. Unter Anbetracht der begrenzten Mittel hat SwissUp die Aufgabe an die CRUS und ihre Partner übergeben, die nun ein Rankingmodell ausarbeiten, das erlauben wird, unsere Studiengänge mit anderen renommierten Institutionen in Europa und in der Welt zu vergleichen. Wir haben auch den «Salon de l'Etudiant» gegründet, ein bevorzugter Ort des Informationsaustausches und der Begegnung zwischen jungen Erwachsenen und akademischen Institutionen. Im Rahmen des Genfer «Salon du Livre » wird dieses Projekt in seinem ursprünglichen Geist weitergeführt und wir unterstützen es weiterhin, wenn auch auf indirekte Weise.

Die Ziele der Stiftung folgen eigentlich einer sehr einfachen Logik: die Diskussion über die Bildung in die Öffentlichkeit bringen. Die von uns initiierten Projekte folgten dieser Perspektive und unsere zukünftigen Projekte werden genauso angelegt sein.

Ihre Nachricht an die Studenten, die dieses Interview lesen?
Finden Sie Ihren Weg und leben Sie für Ihre Leidenschaft. Wenn diese nicht vorhanden ist, dann teilen Sie die Leidenschaft eines Anderen.

 
 
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