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Amnesty

interview mit manon schick, mediensprecherin der schweizer sektion von amnesty international

Was für Profile suchen Sie bei Ihren Rekrutierungskampagnen?
Auf internationaler Ebene, also im Sekretariat in London, gibt es zwei Arten von Aufgaben: Forschung und Kampagne. Für die Forschung brauchen wir Personen mit sehr guten Kenntnissen eines Landes, unter anderem müssen sie die Sprache gut beherrschen. Die Forscher sind in London stationiert, machen aber häufig Reisen in das entsprechende Land um ihren Bericht zu verfassen; dies sind Spezialisten eines Landes auf der Ebene der Menschenrechte. Aber aus Sicherheitsgründen achten wir darauf, dass diese Personen nicht die Staatsangehörigkeit dieses Landes haben.

Anders sieht es für die Kampagne aus. Es braucht keine Verbindung mit einem bestimmten Land geben und so auch keine speziellen Kenntnisse. Es geht um Animierung: Wie baut man eine Lobbying-Aktion auf oder mobilisiert Leute im Internet oder auf der Strasse. Was macht man aus dieser Mobilisation, usw. Für die Profile in der Schweiz sieht es etwas anders aus. Im Sekretariat in Bern gibt es etwa 40 Angestellte. welche sind vor allem Kampagnen-Stellen (Kampagne für die Frauenrechte oder für das Asyl) innehalten. Wir bearbeiten mehr Themen als Länder und haben beispielsweise keine Länderspezialisten. Es ist eine reine Kommunikationsarbeit. Wir erhalten Berichte und die verschiedenen Sektionen führen diese Kampagnen in der Schweiz durch, um die Informationen zu verbreiten. Die Stellenprofile sind vielseitiger als jene in London: da gibt es rein juristische Stellen, wie auch solche als Erwachsenenbildner und Betreuer.

Welche Motivationen muss jemand mitbringen, um sich bei Amnesty zu bewerben?
Eines der Hauptkriterien ist, dass der Bewerber hinter den Werten unserer Organisation steht. Dies ist nicht unerheblich. Man kann sich auch bei einer internationalen Organisation bewerben, weil das den Lebenslauf interessanter macht. Bei uns geht das aber nicht. Wir brauchen Leute mit den gleichen Werten. Ansonsten kommt es auf die Stelle an.

Stellen Sie erfahrene Leute ein?
Ja, die meisten festen Stellen richten sich an Leute mit Berufserfahrung. Für Stellen in der Freiwilligenbetreuung zum Beispiel haben diejenigen einen Vorteil, die selber schon als Freiwillige gearbeitet haben.

Wie viele Stellen werden jährlich angeboten?
Das ist unterschiedlich. In der Schweiz haben wir 6 bis 7 bezahlte Praktikumsplätze (2'200 für 100%). Diese Praktika für 6 bis 12 Monate werden jedes Jahr neu besetzt. Bei den die festen Arbeitsplätzen kommt es auf die Austritte an, aber durchschnittlich werden von den 40 Stellen jedes Jahr etwa 6 neu ausgeschrieben.

Welche sind Ihre Rekrutierungsmethoden?
Wir veröffentlichen immer eine Anzeige in der Presse, meistens in Zeitungen beider Sprachen, und wir veröffentlichen auch eine Anzeige auf unserer Homepage. Für jede Ausschreibung erhalten wir etwa 50 Dossiers. Wir wählen 5-6 aus und führen Bewerbungsgespräche durch. Ganz gewöhnlich!

Gibt es Austauschprogramme zwischen den einzelnen Büros von Amnesty?
Zu wenig. Es gibt ein paar, aber das ist eher selten; manche konnten schon nach London oder Deutschland gehen. Das wird von Fall zu Fall entschieden, Regeln gibt es dafür keine.

Arbeiten Sie mit anderen Organisationen oder Institutionen zusammen?
Ja, aber nicht in Form von Personalaustausch. Wir arbeiten auf lokaler und internationaler Ebene mit anderen zusammen, für das Lobbying zum Beispiel. Wir haben auch regelmäßige Austausche mit anderen NGOs im Bereich der Menschenrechte.

Ist es möglich, kurze Missionen auszuführen?
Nein, die Missionen werden immer von Forschern aus London durchgeführt. Niemand wird für eine spezifische Mission engagiert.

Welches sind Ihre Ratschläge für Studenten, die in einer NGO Karriere machen möchten? Immer mit einer Freiwilligentätigkeit innerhalb einer NGO anfangen. Das ist meistens leicht mit dem Studium zu vereinbaren und ermöglicht einen ersten Kontakt mit der Organisation. Die Praktikumsplätze sind oft eine gute Möglichkeit, in einer Institution Fuß zu fassen. Bei uns zum Beispiel ist es nicht selten, dass ein Praktikant am Ende des Praktikums fest angestellt wird.

Bieten Sie auch nicht diplomierten Studenten die Möglichkeit ein Praktikum zu machen?
Ja, wir stellen nicht nur diplomierte Studenten ein. Es ist aber so, dass Praktika einer bestimmten Länge nicht unbedingt mit einem Studium zu vereinbaren sind. Deshalb sind die meisten unserer Praktikanten bereits diplomierte Studenten.

Welchen Werdegang bevorzugen Sie für die Praktikumsplätze?
Bezüglich des Werdegangs haben die meisten Politikwissenschaft, Recht oder internationale Beziehungen studiert, d. h. eine Ausbildung im Zusammenhang mit Menschenrechtsfragen absolviert. Aber das ist nicht ausschließlich. Es kommt auf die Art der Stelle an.

Sind Sprachen wichtig?
Ja, aber auch da gibt es manchmal Missverständnisse. Für die Schweiz ist es unerlässlich, dass man sowohl Deutsch als auch Französisch beherrscht. In Bern wird in beiden Sprachen gearbeitet. Jemand, der nicht wenigstens diese beiden Sprachen mündlich versteht, könnte nicht bei uns arbeiten. Auf internationaler Ebene ist natürlich Englisch vorherrschend, aber auch andere Sprachkenntnisse können verlangt werden.

 
 
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